Tambour-Corps Volmerswerth 1949
Ein ganzes Jahr ist nun verstrichen,
das alte ist dem Neuen gewichen,
seit dem wir hier im selben Rahmen
versammelt waren mit den Damen.
Das Fest war gut, die Stimmung groß,
Mut hatten wir, die Schmerzen bloß,
wir wollten mal feiern, nach alter Sitte,
es fehlten noch zwei in unserer Mitte.
Jedoch das alte Tambourkorps,
steht heut so stark wie nie zuvor,
nach Hause sind sie all gekommen,
das hatten sie sich vorgenommen.
In dem Gedicht vom vorigen Jahr,
von keinem persönlich die Rede war.
Drum will ich dieses mal probieren,
und euch der Reihe nach studieren.
Der Kreuter´s Heinrich, wie ihr wisst,
bis heute der gleiche geblieben ist.
Er zwar gealtert, doch nicht sein Geist,
am Besten das sein Humor beweist.
Denn auf Kirmes, wie kam er mir dazu,
da sieht er im Stroh seine nächtliche Ruh,
sein Frauchen stand ihm treu zur Seite,
junge Mädchen scheucht er in die Weite.
Auch steht er wieder aktiv zum Chor,
und macht dem Tambourkorps noch manches vor.
Wir wünschen dass es noch lange so geht,
und er in unseren Reihen steht.
Den nächsten Mann nehm ich jetzt her,
Es ist der, von der Feuerwehr.
Heinz Schröder heißt der große Held,
wer kennt ihn nicht auf dieser Welt?
Er ist auch vermählt und Vater schon,
er freute sich mächtig auf einen Sohn,
doch Sophie schenkte ihm eine Maid,
aber endlich war es bei ihm soweit.
Er ist ein ganz solider Mann,
der doch in Mengen trinken kann,
und wenn einmal das Tröpfchen fließt
er nicht mehr zu erkennen ist.
Auf Kirmes, ich kann es nicht verstehen,
da hatt er "nen necken Buek" gesehn.
Er war so vergnügt, so fröhlich und frei,
ach wenn es doch immer nur Kirmes sei.
Ein Mann, der lang schon unterm Pantoffel,
er handelt mit Kappes und auch mit Kartoffel
er kam stets zu spät, und tut es noch immer,
es ist der Tambour, Peter Zimmer.
Auf Kirmes, da wollte er tüchtig kneifen,
er wollte nicht trommeln, doch wir sollten pfeifen.
Da sind wir nun alle zum Bootshaus gezogen
und er ist mit Glanz aus dem Bett geflogen.
Er bot uns sogar ein Schnäpschen an,
doch das war was für die Petroleums-pfann.
Nur 90 % hat dieser Feuergeist,
er tüchtig in die Augen beißt.
Bei diesem Anlass möchte ich nicht versäumen,
Ihm etwas unter die Weste zu räumen.
Sei bitte etwas pünktlich jetzt,
sonst wirst du in manche Runde gehetzt!
Herr Emil Levering ist auch schon gebunden
und ist schon halb aus dem Verein entschwunden.
Wir wollen hoffen, dass er’s bald ändern tut,
dann geht das Leben noch mal so gut.
Er schlägt ja die Trommel, so gut wie er kann,
denn Holzhacker kommt´s nur auf sein Solospielen an.
Jedoch im Leben ist er nicht Solo geblieben,
so geht’s allen Menschen, die einander sich lieben.
Und ehe wir nun an die Ledigen kommen,
wird schnell noch der Michel drangenommen.
Er hat erst vor Kirmes zu uns sich gefunden,
er fühlt sich nun einmal mit´m Wäth fest verbunden.
Denn er ist der Mann, der den Mut nie verlor,
und auch nicht beim kältesten Schnäpschen erfror.
Er hielt durch auf Kirmes, von Anfang bis End,
das Feiern er sein Schönstes nennt.
Vermählt ist er auch schon, wie lang weiß ich nicht,
wahrscheinlich er den Rekord darin bricht.
Sein Frauchen ist gut, ich weiß es genau,
nicht jeder hat ne geduldige Frau.
Wie hört ihr Freunde, die Ihr niemals bereut,
dass ihr noch nicht verheiratet seid.
Ich will von Euch vor allen Dingen,
doch nur das allerbeste bringen.
Das Haus, wo wir übten stets manches mal,
hat ja an Jungen ne stattliche Zahl
Der Theo, der älteste von den Lieben,
ist unserm Verein stets treu geblieben.
Und um sich ein wenig dankbar zu zeigen
und nun zu verschönern den bunten Reigen.
Da hat er auf Kirmes den Säbel gezückt
und hat sich dann nachher die Brust noch geschmückt.
Denn er ist der Mann, der das Fechten versteht
und wenn’s mit dem Mund auch nicht immer so geht.
Er schlug dass dem Hahne, flogen die Fetzen,
er wollte doch seine Ehr nicht verletzen.
Seine Braut, die Therese, nicht von Kommersreuth,
versprach uns auf Kirmes, sie erfreue uns heut.
Mit einer Flasch "Grünes", die wir dann als verschmäht,
die trinken wir alle beisamm en den Ehd.
Und nun ein Mann von altem Eisen,
der stets seine Kunst uns kann beweisen.
Im Flöten nur, mein ich was soll es sonst sein,
das ist der Gute Stoffels Hein.
Er konnt zwar auf Kirmes nicht mit uns gehen,
uns Freunde ließ er jedoch nicht stehen.
Beim Hahnenfest hat er sich eingereiht,
auch war sein Bruder noch sehr weit.
Doch der ist gekommen, er sagte uns dies,
er hätte verlassen das Paradies.
Um heim zu finden nach Hof und Haus,
für ihn sei vorläufig das Kriegspielen aus
Und bei der Begrüßung durch unseren Verein,
da stellte die Liebe zur Heimat sich ein,
denn er sprach zu uns aus tiefster Brust,
ich spiel wieder mit, das macht nur Lust.
Und bei der Probe, der ersten seit Lang,
da machte er alle anderen lang.
Er spielte als hätte er’s ewig gemacht,
da hat uns das Herz doch im Leibe gelacht.
Vom nächsten will ich nun was schreiben,
sie können ruhig sitzen bleiben,
der letzte noch vom alten Chor,
den nehm ich mir mal tüchtig vor.
Ihr wisst, es gibt ja nur noch eins,
es ist der lange Clepgens Heinz.
Von ihm ist sonst nicht viel zu schreiben,
er will nichts auf die Spitze treiben.
Er fängt zwar die Hasen und Vögelchen all,
und auch hübsche Mädchen von Fall zu Fall.
Sei ruhig bitte, sag keinen Ton
die Spatzen singen´s von Dache schon.
Und wenn dann die tägliche Arbeit zu Ende,
so findet man schleichend ihn im Gelände,
Erst fängt er die Hasen mit einer Schlinge,
Doch später findet man ihn bei der Inge.
Das war nun das Volk vom "alten Verein",
doch fanden sich schließlich auch neue ein.
Was sollt es sonst geben, wenn der Nachwuchs nicht wär,
ich glaube dann lebt heut kein Menschenkind mehr.
So will ich mich nicht lang besinnen,
beim Längsten von denen sogleich beginnen,
er ist Casanove vom 1. Rang,
es ist, wer sonst, der Stoffels Lang.
Er war schon weit in manchem Land,
und auch in Hamm ist er bekannt,
denn dort wohnt sein Liebchen Elisabeth,
für ihn war´s weit, wenn er mal lieben geht.
Auf Kirmes jedoch hat er für so was nie Zeit,
dann gibt es im Dorfe genug von der Freud.
Und wenn da einmal der Kreuter nicht kann,
so geht der Adi von selbst schon voran.
Er tat so, als wär´s nur ne Kleinigkeit,
es staunten die Menschen von Weit und Breit,
doch plötzlich, da war es mit ihm ganz vorbei,
am Schönsten sei´s doch in der zweiten Reih.
Hans Zimmer, der Schatzi, wie er überall heißt,
ja stets und ständig uns beweist.
Wie man feiert die Feste zu jedem Grund,
dann geht es bei Schiers oder Zimmers rund.
Er hat ja vom Theo ein Schwesterlein,
die zwei, die lieben einander gar fein,
doch wenn es heißt, spielen auf dem Klavier,
dann halten 10 Pferde ihn nicht mehr bei ihr.
Des Montag nach Kirmes wird "praat" gemacht,
nur Hänschen hatt sich ins Fäustchen gelacht,
er tat seinen Lieben im Felde mal winken,
für´s Tambour-Korps holt er vom Speicher den Schinken.
Der hat uns gemundet, wie selten vorher,
Wir mochten doch gar kein Schnäpschen mehr,
doch das soll nicht heißen, dass es heute so ist,
am Besten, ihr es ja selber wisst.
Nun kommt der jüngste an die Reihe,
wenn ich zuviel sag, dann verzeihe.
Denn wir wollen einander Freunde bleiben
Und nicht mit Ärgern die Zeit vertreiben.
Herr Richrath kam zu uns in diesem Jahr,
ich weiß es genau, als wenn’s gestern erst war.
Auf Kirmes nämlich, mit soviel Schabau,
die er hatt geschossen, kornblumenblau.
Er trinkt ja sonst nur Himbeersaft,
denn das verleiht ihm Mut und Kraft.
Jedoch das Essen vergisst er nicht,
wie käm er sonst an sein Gewicht.
Ich sage Dir Jacki, nun höre schön zu,
erst dadurch erbst du die himmlische Ruh,
wenn Du uns versprichst, in jedem Jahr,
schießt Du eine Flasche, wie es diesmal war.
Jetzt bin ich soweit, ich weiß auch nichts mehr,
wo soll ich denn nehmen, die Worte her,
nun mache ich Schluss für dieses Mal,
was Ihr jetzt macht, ist mir egal.
Doch wollen wir bleiben, was immer mag sein,
wir bleiben zusammen am schönen Rhein.
Wir bleiben uns treu auf dieser Erd,
dann finden wir Freude in Volmerswerth.
Peter Hecker 10.11.1949